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  16.07.2005
 

Mit einer Prise Nachdenklichkeit

»Der Fränkische Jedermann« von Fitzgerald Kusz im Rathaushof Würzburg«

Deftig darf es hier zugehen und auch ein wenig kitschig: »Der Fränkische Jedermann« von Fitzgerald Kusz begeisterte im Großen Rathaushof in Würzburg nicht zuletzt durch seine Bodenständigkeit, die war aber immer wieder ironisch gebrochen und so erträglich. Das Theater Chambinzky hatte seine erfahrenen Akteure aufgeboten, Hermann Drexler führte Regie; der Stoff, altbekannt und doch immer wieder gültig, wurde mit der nötigen Prise Nachdenklichkeit serviert, was allerdings manchmal leichte Längen provozierte.

So war das »Spiel vom Sterben des reichen Mannes«, von der Hinfälligkeit allen Besitzes mit dem nötigen Tiefgang versehen, und dem anwesenden Autor gefiel das auch. Dass hier viel fränkische Frömmigkeit zum Tragen kommt, sah man gleich, am Bühnenbild (Sabine Hardt): eine Art Kapelle mit dem Kruzifix im offenen Giebel, daneben Seitenflügel und Kulissen links und rechts mit angedeuteten Totentanz-Szenen. Gott (Rainer Moser) tritt auch persönlich auf, in einer Doppelrolle als armer Nachbar, und dadurch recht menschlich - und irgend wie wirkungslos. Am Schluss wird er witziger Weise begleitet von weißlockigen Erzengeln, was der Szene viel von ihrer »moralischen« Schwere nimmt. Die übrigen Mitwirkenden waren sehr "fränkisch«, nicht nur von der Mundart, sondern auch vom Äußeren her, die Tafelgesellschaft erschien in Tracht. Der dünne Vetter spielte dabei Harmonika zu fränkischen Liedern, Talia von Bezold sang wunderbare Soli.

Die Inszenierung vertraute auf Handfestes. So war der Tod (Oskar Vogel) richtig schrecklich maskiert als Sensenmann mit Totenkopf und drängte mit trockener Stimme sein Opfer, den Jedermann,  zum baldigen Hinscheiden. Der muss dann zu seinem Ende auch im weißen Leichenhemd in einen schwarzen Sarg steigen. Der Mammon (Rainer Binz) dagegen entstieg als glitzernde Figur in Gold, Glimmer und Ketten der Geldtruhe und beeindruckte durch seine latente Gefährlichkeit. Beharrlich mahnte Maria Schwab als Mutter und später als Gnade in einer Art Schwesterngewand, dass Jedermann von seinem oberflächlichen Leben ablassen und seine Seele retten solle. Dieser aber hat anfangs nur Augen für sein lieblich kokettes »Herzele« (Christina Stibi); dieses, freundlich-heiter im rosa Kleid, entpuppt sich später als ziemlich treulos; als es Jedermann schlecht geht, wirft sie sich dessen Freund (Gottfried Thoma) an die Brust. Die schwerste Rolle, nämlich die des Jedermann, füllte Markus Grimm mit beeindruckender Präsenz und Überzeugungskraft, vor allem gegen Ende, als ihn alle verlassen haben, glaubte man ihm die innere Anspannung.

Ein besonderes Schmankerl aber bietet der Teufel: Wenn Herbert Ludwig auf der Bühne herumspringt, die Personen umtanzt, im Hintergrund lauert, bekommt das Geschehen Dichte. Und dass er letztlich verliert, schadet nicht: Er spitzt doch noch frech hervor, als alles so »heilig« endet und jedermann sich bekehrt - mögliche Opfer für die Hölle hat er schon ausgespäht - vielleicht auch im Publikum, das sich so köstlich über ihn amüsiert hat? 

Renate Freyeisen 

 

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