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  23.12.2025

Premiere: „Der eingebildete Kranke“
Molières Klassiker „Der eingebildete Kranke“ feiert eine moderne Premiere im Chambinzky-Hafentheater.
Eine zeitgemäße Fassung stellt dabei neue Facetten der Komödie heraus.

Würzburg Der französische Theaterautor Molière (1622–1673) ist ein Meister der klassischen Komödie. Sein letztes Stück „Der eingebildete Kranke“ aus dem Jahr 1673 ist eines der meistgespielten Theaterstücke der Welt und erfreut sich bis in die Gegenwart ungebrochener Beliebtheit beim Publikum. Kein Wunder, dass sich das Würzburger Theater Chambinzky zur besten Theaterzeit rund um den Jahreswechsel dieses Stoffes angenommen hat. Und der bestens bekannten Komödie um den berühmtesten Hypochonder der Weltliteratur durchaus neue Aspekte abgewinnt.
Das liegt zuallererst an der Neufassung von Martin Heckmanns, die im Dezember 2019 in Bonn uraufgeführt wurde und von Regisseurin Martina Esser für ihre Inszenierung im Hafentheater ausgewählt wurde. Heckmanns hat den Text gestrafft, von einigen Nebenfiguren befreit, satirisch zugespitzt und die Figur des Dienstmädchens Toinette deutlich aufgewertet, ohne dabei den Kern der Handlung zu vernachlässigen.
In deren Zentrum steht der wohlhabende Herr Argan (Wolfgang Stenglin), dem es an nichts fehlt und der doch ein kranker Mann ist. Geplagt von unregelmäßigem Puls, problematischer Verdauung und allgemeiner Lebensunlust ist er ein willfähriges Opfer des überaus geschäftstüchtigen Gespanns aus Hausarzt Purgon (Andreas Münzel) und Apotheker, die nicht nur seine Nerven, sondern auch sein Bankkonto gehörig strapazieren.
Angelique und Cleante kämpfen um ihr Glück
Abhilfe aus dieser Misere schaffen soll die Verheiratung seiner Tochter Angelique (Anna Breitling) mit dem Arzt-Sohn Thomas (Maximilian Reger), weil „ein Arzt in der
Familie die Kosten senkt“. Ein Aspekt, der Angelique überhaupt nicht interessiert, ist sie doch ihrerseits unsterblich in den Hauslehrer Cleante (Konrad Hansen) verliebt. Was aber auch Beline (Kerstin Lauterbach), ihrer Stiefmutter, missfällt, die Angelique am liebsten im Kloster sähe, weil sie dann keine Konkurrentin beim Kampf um Argans Erbe hätte.
Ein schier undurchdringliches Knäuel von unterschiedlichen Interessen, offenen und versteckten Intrigen, die sich in immer neuen Wendungen sowohl ent- als auch verwickeln.
Überlagert vom stets wiederkehrenden Jammern des „eingebildeten Kranken“ Argan, dessen Pendeln zwischen tumber Lächerlichkeit und anrührender Verzweiflung von Wolfgang Stenglin perfekt austariert ist. Zwei Frauen, Argans Schwester Beralde (Dagmar Münzel) und eben das Dienstmädchen Toinette (Jolantha Herting), sind es, die dem Kranken schließlich die Augen öffnen.
Die lebenskluge Toinette entwickelt einen raffinierten Plan, um den vermeintlich unheilbar Kranken von seinen fixen Ideen und eingebildeten Beschwerden zu befreien. Sie verschreibt ihm ein Rezept der besonderen Art und verabreicht es ihm sogleich in ihrer Zweit-Rolle als weltweit gereister Wanderarzt. Gleichermaßen elegant wie burschikos unbekümmert spielt Jolantha Herting die beiden gänzlich verschiedenen Charaktere, die im Wechselspiel auf eine gänzlich unerwartete Art und Weise Argans Genesung vorantreiben.
Mit viel Gespür für die Atmosphäre der Entstehungszeit (unter anderem mit dem „Cold Song“ von Henry Purcell) und in aufwändigen zeitgenössischen Barock-Kostümen (Sarah Bèke) hat Martina Esser den Text temporeich auf die vom übergroßen, drehbaren Krankenbett dominierte Bühne (Andreas Zehnder, Lea Fleder) gebracht. Sie bringt Molières brillante Dialoge und seinen Wortwitz bestens zur Wirkung – zum höchsten Vergnügen des Publikums im nicht ganz ausverkauften Hafentheater.
Vorstellungen laufen noch bis zum 25. Januar im Chambinzky Hafentheater.

Manfred Kunz

 

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