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  07.03.15

Die Vorzeige-Ehefrau kann auch anders

"Die Zierpflanze“ hatte im Würzburger Theater Chambinzky Premiere – Passend zum Weltfrauentag

Joggen, Gedichte schreiben, sich um die Enkel kümmern – das sind die Lebensinhalte von Suzanne Pujol (Dagmar Schmauß). Ihrem Ehemann Robert (Wolfgang Stenglin) ist das ganz recht. So kann er sich in Ruhe um die familieneigene Regenschirmfabrik kümmern und nebenbei heimlich die Nächte mit Sekretärin Nadege (Claudia Tjong) verbringen. Als Vorzeige-Ehefrau macht Suzanne gute Miene zum bösen Spiel. Sie gibt sich grenzenlos naiv und lässt ihrem Ehemann eine Respektlosigkeit nach der anderen durchgehen.
„Die Zierpflanze“ hat am Donnerstag Premiere im Theater Chambinzky gefeiert. Die Komödie spielt im quietschbunten 70er-Jahre-Setting – Mustertapete und Drehscheibentelefon inklusive – und ist doch aktuell. Die Streitereien zwischen Suzanne und Robert, mit Vorwurfstonfall von ihr und genervter Reaktion von ihm, dürften manchem lang verheirateten Paar bekannt vorkommen. Besonders Wolfgang Stenglin spielt den miesepetrigen Ehemann mit Pascha-Allüren herrlich authentisch. Suzanne ist irgendwann nur noch hilflos. „Ich möchte nie so enden wie du“, wirft ihr Tochter Joelle, die selber schon Ehefrau und Mutter ist, an den Kopf. Einzig Sohn Laurent hält fest zu seiner „Maman“. Der glühende Intellektuelle hat einfach gar keine Gemeinsamkeiten mit seinem pragmatischen Vater.
Als die Arbeiter der Regenschirmfirma streiken, kommt Suzannes große Stunde. Sie übernimmt das Kommando und zeigt einmal mehr, dass Frauen die besseren Krisenmanager sind. Unter ihrer Führung kommt die Produktion wieder auf Kurs. Und nicht nur mit unternehmerischem Geschick überrascht sie ihren Robert. Einige pikante Enthüllungen lassen den machohaften Schwerenöter innerhalb von Minuten zum eifersüchtigen Ehemann werden. Dazu trägt auch der kommunistische Abgeordnete Maurice Babin (Uwe Bergfelder) bei, der sich als heimlicher Verehrer Suzannes entpuppt.
Passend zum Weltfrauentag am 8. März zeigt Regisseurin Cornelia Wagner mit dieser Komödie, dass Feminismus durchaus Humor haben kann. Die Verwandlung der allseits belächelten Hausfrau zur souveränen Führungsperson ist mit vielen spaßigen Spitzen gespickt. Die Rolle der Chefin ist sehr elegant und weiblich interpretiert. Da muss Suzannes Ansprache an die Belegschaft auch schon mal ein paar Minuten warten, so lange die Frisur noch nicht sitzt.
Der Stoff hat Unterhaltungswert und taugt sogar zum ganz großen Kino. 2010 wurde die Geschichte unter dem Namen „Das Schmuckstück“ mit Catherine Deneuve und Gérard Depardieu erfolgreich verfilmt.

tbe

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